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Mike Meinert und Joy Lutz

Mittelstand

Zwischen Apotheke und Tanzschule: ein Geschäftsmodell ohne Existenzdruck

Frühling 2026 - Lesezeit: 3 Minuten

Eine Tanzschule als Nebenprojekt? Ja, das geht, wie Mike Meinert und Joy Lutz derzeit in Lüneburg beweisen. Der Apotheker und die Versicherungsangestellte machten ihren gemeinsamen Traum zur Realität – und ernten jetzt die Früchte ihres Mutes. 


Man könnte sie glatt übersehen, die Tanzschule Conflow in Lüneburg. In einem Gewerbehof gelegen, wird sie von den größeren Unternehmen und ihren Leuchtreklameschildern überstrahlt. Doch das, was am Pulverweg nur fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt stattfindet, verdient Beachtung. Denn hier lässt sich erleben, wie wichtig Leidenschaft ist, um ein eigenes Business hochzuziehen. 

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Trendtanz Bachata im Fokus
Mike Meinert und seine Tanz- sowie Lebenspartnerin Joy Lutz betreiben hier seit Kurzem neben ihrer jeweiligen Vollzeitberufstätigkeit ein Tanzstudio, und zwar nicht als Übernahme einer bestehenden Einrichtung, sondern als komplette Neugründung. Ihr Studio Conflow konzentriert sich vor allem auf den Trendtanz Bachata. Dieser lebt von Nähe, fließenden Bewegungen und vom improvisierten Führen – nicht von festen Choreografien. Auf Zuschauer wirkt die Bachata oft sinnlich und ruhig zugleich, weil sie weniger auf spektakuläre Figuren setzt als auf Verbindung, Musikalität und Körperspannung. Daneben werden bei Conflow auch Salsa Cubana und Solo-Latin-Tänze gelehrt. 

Logo Tanzschule Conflow
© Tobias Pusch

Niedrige Einstiegshürde
Entscheidend ist dabei das Konzept der sogenannten Social Dances. Getanzt wird ohne festgelegte Choreografien und die Partner wechseln regelmäßig – ein eigener Tanzpartner ist also nicht zwingend erforderlich. „Das senkt die Einstiegshürde enorm“, berichtet Joy Lutz, im Hauptberuf Versicherungsangestellte. Das Konzept trifft einen Nerv. Die Teilnehmenden kommen aus sehr unterschiedlichen Alters- und Lebensbereichen, von Anfang 20 bis über 70. „Diese Mischung sorgt für eine stabile Community“, so Lutz. 

Meike Meinert und Joy Lutz
© Tobias Pusch

„Dass wir von Anfang an so einen Erfolg haben würden, haben wir uns nicht träumen lassen.“

Mike Meinert und Joy Lutz, Gründer der Tanzschule Conflow

Wirtschaftliches Modell mit kalkulierter Größe
Die aktuelle Mitgliederzahl liegt bei rund 70 – deutlich über den ursprünglich kalkulierten 35. „Perspektivisch ist die Marke von 100 Mitgliedern realistisch. Das hätten wir uns nicht träumen lassen“, schwärmt Mike Meinert. Wichtig für die Betreiber: Conflow soll, zumindest zunächst, kein Vollzeitersatz werden. „Unser Ziel war nie maximale Expansion, sondern ein Modell, das sich einfach nur selbst trägt“, erklärt Meinert. „Das nimmt enorm den wirtschaftlichen Druck raus“, ergänzt er.

Bachata – sinnlicher Trend aus der Karibik

Bachata ist ein gefühlvoller Paartanz, der seinen Ursprung in der Dominikanischen Republik hat und der sich in den vergangenen Jahren zu einem weltweiten Tanztrend entwickelt hat. Getanzt wird Bachata zu romantischer, rhythmischer Musik, die von Gitarre, Percussion und emotionalem Gesang geprägt ist. Typisch sind fließende Grundschritte, weiche Hüftbewegungen und eine enge, harmonische Verbindung zwischen den Tanzpartnern.

Neben der traditionellen Bachata haben sich moderne Stilrichtungen wie Bachata Moderna und Bachata Sensual etabliert. Besonders die Bachata Sensual kombiniert Elemente aus Tango, Kizomba sowie zeitgenössischem Tanz und legt großen Wert auf Musikalität, Körperwellen und Ausdruck. Bachata wird heute auf Tanzpartys, bei Social-Dance-Events und auf eigenen Festivals getanzt. Der Tanz spricht Menschen aller Altersgruppen an und steht für Emotion, Leidenschaft und gemeinsames Erleben auf der Tanzfläche.

Lernen beim deutschen Vizemeister 

Inhaltlich profitiert die Tanzschule stark von der tänzerischen Erfahrung der beiden Gründer. Mike Meinert tanzt seit seiner Kindheit, begann früh im Turniersport und war viele Jahre im Bereich Standard und Latein aktiv. 2022 erreichte er dort den Titel des deutschen Vizemeisters, bevor er seinen Schwerpunkt bewusst auf Bachata und Salsa verlagerte. Joy Lutz bringt ebenfalls langjährige Tanzerfahrung mit, unter anderem aus dem Jazzdance und klassischer Tanzschularbeit. 

Umbau in Eigenleistung
Der Umbau der heutigen Räume – die früher zu einer Näherei gehörten – erfolgte mit überschaubarem Kapitaleinsatz. Betonboden ausgleichen, Vinyl verlegen, Technik installieren: Vieles wurde in Eigenleistung erledigt, unterstützt von der Community. Die Investitionssumme lag im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Tanzsaal Conflow
© Tobias Pusch

„Andere Banken haben abgewunken“
Finanziert wurde das Projekt über einen Gründerkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der von der Volksbank Lüneburger Heide eG (VBLH) vermittelt wurde. „Andere Banken haben wegen der in ihren Augen viel zu geringen Kreditsumme abgewunken. Aber die Volksbank hat uns ernst genommen und uns unterstützt“, erzählt Joy Lutz. Für die Gründer ist der Schritt auch aufgrund ihrer Vollzeitberufe ein kalkulierbarer Rahmen. „Am Ende ist es eine Rechenaufgabe. Und die ging für uns auf“, resümiert Lutz.

Gründungskredite – so geht’s

Die KfW unterstützt Existenzgründer, Freiberufler und junge Unternehmen mit speziellen Förderkrediten. Zu den bekanntesten Programmen zählen der ERP-Gründerkredit – StartGeld für kleinere Vorhaben sowie der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge für größere Investitionen. Finanziert werden sowohl Investitionen als auch Betriebsmittel, häufig zu günstigen Zinssätzen und mit optionalen tilgungsfreien Anlaufjahren. Ein Vorteil für Gründer ist die teilweise Risikoübernahme durch die KfW, wodurch auch Vorhaben mit begrenzten Sicherheiten realisierbar werden.

Der Zugang zu einem KfW-Gründerkredit erfolgt grundsätzlich nicht direkt über die KfW, sondern immer über ein Kreditinstitut. In der Regel ist dies die Hausbank oder eine andere frei wählbare Geschäftsbank. Diese prüft zunächst das Gründungsvorhaben, die wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie die persönliche und finanzielle Situation der Antragsteller. Erforderlich sind unter anderem ein Businessplan, eine Finanz- und Liquiditätsplanung sowie Angaben zum Kapitalbedarf. Bei positiver Bewertung leitet die Bank den Antrag an die KfW weiter, die anschließend über die Förderzusage entscheidet. 

Zwei Hauptberufe als Stabilitätsfaktor
Dass beide Betreiber weiterhin voll berufstätig sind, ist kein Übergangszustand, sondern Teil des Konzepts. Der Tanzunterricht findet ausschließlich abends unter der Woche statt, die Wochenenden bleiben weitgehend frei oder sind für ausgewählte Workshops reserviert. „Wir haben es so organisiert, dass es dauerhaft machbar bleibt“, sagt der studierte Apotheker Mike Meinert. Die feste Struktur erleichtert die Planung und schützt vor Überlastung. Gleichzeitig sorgt die wirtschaftliche Absicherung durch die Hauptberufe für unternehmerische Gelassenheit. Natürlich soll Conflow funktionieren, aber eben nicht um jeden Preis. Das führt auch zu Gelassenheit gegenüber den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: „Wenn jemand mal einen Monat pausieren muss, dann ist das kein Problem“, so Lutz. Diese Haltung prägt die Unternehmenskultur – und zahlt auf die Bindung der Mitglieder ein. 

Joy Lutz und Meike Meinert
© Manuel Rehan

„Wir hören uns von Gründern gern auch ausgefallene Pläne an und schauen dann, ob die sich verwirklichen lassen.“

Dominik Türffs, Gewerbekundenbetreuer bei der Volksbank Lüneburger Heide 

Dominik Türffs, Gewerbekundenbetreuer bei der Volksbank Lüneburger Heide

Der Region verbunden – auch bei Neugründungen

Die vergleichsweise geringe Kreditsumme stellte für ihn dabei kein Hindernis dar. „Zum einen wollen wir ja miteinander wachsen. Wir glauben daran, dass hier eine langfristige Partnerschaft entsteht“, so Türffs. Zum anderen liege die Begleitung kleinerer Anliegen auch in der DNA der Volksbanken. „Als genossenschaftliches Institut fühlen wir uns für die Region in besonderem Maße verantwortlich. Und dafür braucht es natürlich auch Neugründungen“, sagt der Gewerbekundenbetreuer.

Ganz allgemein macht Dominik Türffs auch all jenen Mut, die eine Geschäftsidee im Kopf haben, die noch nicht ganz so reif ist wie die von Mike Meinert und Joy Lutz. „Wir hören uns auch gern ausgefallene Pläne an und schauen dann, ob die sich verwirklichen lassen. Das ist schließlich unser Job, und den machen wir gern.“

Die kommenden Jahre planen Meinert und Lutz bewusst vorsichtig. Ihr Fokus liegt auf stabiler Auslastung, vollen Kursen und weiterem organischem Wachstum. Sollte die Kapazitätsgrenze erreicht werden, wären größere Räume eine Option, sind aber kein Muss. „Wir planen von Jahr zu Jahr. Alles andere wäre unseriös“, sagt Meinert. Conflow ist damit weniger das Ergebnis einer spontanen Träumerei als das Resultat klarer Entscheidungen – für ein begrenztes Risiko, eine realistische Größe und ein Geschäftsmodell, das auch neben zwei anspruchsvollen Hauptberufen verlässlich funktioniert.

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