„Über Kredite verhandelte man am besten auf Platt“

Volksbank in Neuenfelde feiert Jubiläum

05.09.2016 - Neuenfelde

Die Volksbank in Neuenfelde ist in diesem Jahr 100 Jahre alt. Daran erinnert eine Chronik, die kostenfrei in der Filiale erhältlich ist. Abbildungen von Dokumenten, einst gültigen Geldscheinen und Münzen, Sparbüchern, Fotos und ein Stammbaum machen die Vergangenheit lebendig. Die Chronik wurde von der Historikerin Dr. Kai Rump vom Genossenschaftlichen Archiv erarbeitet. Zu einem Jubiläumsabend hatte die Volksbank langjährige Mitglieder in Bundt‘s Gasthaus eingeladen und für ihre jahrzehntewährende Treue geehrt.

Sparbuch mit DM-Münzen und Scheinen, 1958.

Mitten im Ersten Weltkrieg, am 19. Juni 1916, fanden sich 18 Männer im Gasthaus H. G. Köpke zusammen und gründeten die Spar- und Darlehnskasse Neuenfelde, eine eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Die Gründer waren überwiegend Landwirte, dazu zwei Gastwirte, zwei Kaufleute, ein Handwerker und der Pastor der St. Pankratius-Pfarrkirche Neuenfelde, alle alteingesessene Bürger mit bekannten Nachnamen wie Bergen, Bundt, Blohm, Dehde, Hadler, Jonas, Stehr, Prigge, Palm, Quast. Gemeindevorsteher Peter Jonas wurde Vorstandsvorsitzender der neuen Genossenschaft. Nun konnten auch die Einwohner von Francop, Hasselwerder, Neuenfelde und Nincop ihre Ersparnisse zur Kasse bringen und dafür Zinsen erhalten. Mitglieder konnten außerdem Geld leihen für Investitionen oder Anschaffungen. Nicht bekannt ist, wer die Geschäfte zu Beginn führte, erst ab 1920 ist Rendant Stehr belegt.

Schon auf der ersten Generalversammlung am 28. Juli 1916 genehmigten die Mitglieder die Geschäftsordnung für den Geldverkehr und die Dienstanweisung für Vorstand und Aufsichtsrat und beschlossen, einen Geldschrank anzuschaffen.

Altes Bankgebäude Neuenfelde
Das 1936/37 errichtete Geschäftsgebäude am Arp-Schnitger-Stieg, festlich geschmückt zur 900-Jahr-Feier Neuenfeldes im Jahre 1959.

Die nächsten Jahre waren von Geldentwertungen, Verlusten, aber auch von Neuanfängen geprägt. Während der galoppierenden Inflation 1923 musste auch die Neuenfelder Kasse schwere Einbußen hinnehmen. Zum Ende des Jahres entsprachen 4,2 Billionen Mark nur noch dem Wert einer Goldmark. Doch in den 1930er Jahren ging es wieder bergauf, 1936  konnte die Kasse ein eigenes Geschäftsgebäude mit einer Wohnung für den Rendanten Alfred Grebe bauen. Dieses Gebäude steht heute noch, wenn auch etwas verändert, im Arp-Schnitger-Stieg 67.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, 1948, nahm die Kasse das Warengeschäft auf, schon ein Jahr später entstand der dafür bestimmte Erweiterungsbau. Das Warengeschäft, also der Ankauf von Sämereien, Kunstdünger usw. und der Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten, wurde von Jochen Schröder weiter ausgebaut. Er wurde 1969 Geschäftsführer und arbeitete lange Zeit mit Hilde Köster in Neuenfelde. Beide berichten, dass man in Neuenfelde bei Geldanlagen oder Krediten am besten auf Plattdeutsch verhandeln konnte.

1971 schloss sich die Kasse in Neuenfelde mit der Spar- und Darlehnskasse Elstorf zusammen.
Hintergrund war die immense Ausweitung der Geschäfte und die Einführung des Vier-Augen Prinzips. Danach musste ein Geldinstitut mindestens zwei ausgebildete Geschäftsleiter beschäftigen, die gab es in Neuenfelde eben nicht.

Die Fusionen setzten sich fort. 1999 wurde die Filiale Neuenfelde Teil der Volksbank Buchholz, ein Jahr später dann Teil der Volksbank Nordheide. Seit der letzten Fusion im Jahre 2011 gehört Neuenfelde zu den Vorläuferbanken der Volksbank Lüneburger Heide. Die ist heute mit einer Bilanzsumme von rund 2,8 Milliarden Euro die zweitgrößte Volksbank in Niedersachsen. In Neuenfelde betreuen Filialleiter Jürgen Bardowicks und seine Kollegin Stephanie Okelmann insgesamt 1.041 Kunden, 413 sind zugleich Mitglieder ihrer Bank. Die Mitarbeiter in der Filiale Neuenfelde werden in der Beratung von Kerstin Kubigk und Katrin Senftleben, beide Bereich Unternehmensbetreuung, und Corinna Langbehn, Vermögensbetreuung, unterstützt.

„Der Name der Bank hat sich im Laufe der Jahre geändert. Nicht geändert hat sich Wesen, der Charakter der Bank, die für Kunden und Mitglieder ein verlässlicher Partner ist“, sagte Dr. Kai Rump in ihrer Ansprache. „Genossenschaftliche Werte geben Orientierung, auch im digitalen Zeitalter.“

Jubiläumsfeier Neuenfelde
Regionaldirektor Hartmut Stehr (l.) und Filialleiter Jürgen Bardowicks ehrten die langjährigen Mitglieder (v. l.) Gerlinde Tamke, Karl Tamke, Otto Palm, Elke Drückhammer, Gerd Tamke, Günter Stehr, Anke Stehr, Peter Stehr, Hermann Quast, Barthold Dehde und Jochen Schröder.