Winsen erinnert an Major Alan Douglas Seddon

Gedenktafel am Hause der Volksbank enthüllt

02.10.2015 - Winsen

Mit einer Gedenktafel am Filialgebäude der Volksbank Lüneburger Heide eG erinnert die Stadt Winsen an den britischen Major und späteren Oberst Alan Douglas Seddon (1889-1976). Er war nach Kriegsende von 1945 bis 1948 der erste British Resident Officer, also der oberste Besatzungsoffizier im Landkreis Harburg, und hatte seinen Sitz in der sogenannten „Eppenschen Kachelvilla“ – dort, wo heute das Volksbankgebäude steht.

Der „Besatzer“ erwies sich jedoch „schon sehr bald als jemand, dem das Wohl der Menschen im Landkreis sehr am Herzen lag“, heißt es auf der Erinnerungstafel. Er bemühte sich, „die Not der Menschen in diesen sehr schweren ersten Nachkriegsjahren zu lindern, wo es ihm möglich war. In ganz besonderer Weise war er um das Wohlergehen der Jugend bemüht.“ Die Gedenktafel wurde im Beisein zahlreicher Ratsmitglieder von Bürgermeister André Wiese, dem Ersten Kreisrat Kai Uffelmann, dem stellvertretenden Landrat André Bock, Volksbank-Vorstand Cord Hasselmann und Seddon-Biograf Herbert Rode enthüllt. Rode, der in jungen Jahren als Dolmetscher für die Briten arbeitete und später als Lehrer tätig war, hatte den Anstoß für die Gedenktafel gegeben. Sie ist am Eingang zur Volksbank an der Rathausstraße zu sehen.

Enthüllung der Gedenktafel – v. l. Volksbank-Vorstand Cord Hasselmann, Seddon-Biograf Herbert Rode, Bürgermeister André Wiese, Erster Kreisrat Kai Uffelmann und stellvertretender Landrat André Bock.

Major Seddon hatte im Mai 1945 von der britischen Militärverwaltung in Lüneburg den Befehl bekommen, nach Harburg zu fahren – damals noch der offizielle Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises -, um dort die britische Militärverwaltung einzurichten. Angesichts der dortigen großen Zerstörungen wies er seinen Fahrer an: „Fahren Sie zurück in die kleine Stadt, die wir zuletzt passiert haben. Dort etablieren wir uns.“ Die „kleine Stadt“ war Winsen. Hierher waren bereits größere Teile der Kreisverwaltung, die sich in Harburg befunden hatte, provisorisch ausgelagert worden. So wurde Winsen tatsächlich zur „Zentrale“, in der die wichtigen Entscheidungen getroffen wurden – ein Grundstein für die spätere Kreisstadt Winsen.

Herbert Rode erinnerte in seiner Rede an das Wirken des Majors Alan Douglas Seddon.

Seddons Verantwortungsbereich war groß, sagte Herbert Rode in seiner Ansprache. Er musste im Kreis eine funktionierende Verwaltung aufbauen und dafür geeignete Menschen finden. Er war für Sicherheit und Ordnung zuständig, hatte die Polizeigewalt – zunächst durch britische Soldaten - und musste für eine einsatzbereite Feuerwehr sorgen. Die größte Herausforderung war die Wiedereröffnung der Schulen im Herbst 1945. Er musste einen neuen Schulrat einsetzen, die bisherigen Lehrer überprüfen, neue Lehrkräfte einstellen, Lehrpläne erstellen, die Schulen von Flüchtlingen räumen und, soweit nötig, instand setzen lassen. „Er hat mit jedem einzelnen Lehrer, mit jedem Bewerber persönlich gesprochen“, erinnerte sich Rode. Seddons Vorteil bei all seinen Kontakten: Er sprach ausgezeichnet Deutsch und verstand auch problemlos Plattdeutsch. Diese Kenntnisse hatte er als Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg erworben, als er auf einem nordniedersächsischen Gehöft arbeitete.

Beispielhaft war sein Einsatz für die Jugend. Er kümmerte sich nicht nur um Heime für  Flüchtlingswaisen und elternlose Kinder, sondern sorgte auch dafür, dass die Kinder etwas zum Anziehen hatten. Dazu leitete er kurzerhand einen Armeelastwagen von der Autobahn um und ließ die Armeekleidung in eines der Heime liefern. Er veranstaltete Weihnachtsfeiern und verteilte an die Kinder Schokolade und Kekse aus eigenen Beständen. Außerdem half er, Zeltlager für Jugendliche aus dem Landkreis auf dem Töps bei Hanstedt zu organisieren - Unterkünfte und Verpflegung stellte die britische Armee zur Verfügung. 1946 begann Seddon mit der amtlichen Jugendarbeit und bestellte Werner Seifert als einen der ersten Kreisjugendpfleger in Niedersachsen. „Regen Sie die Jugendlichen zur Eigentätigkeit an und versuchen Sie, das Wertvolle aus der überkommenen Jugendarbeit zu erhalten. Aber alles ohne Bevormundung“, nannte der Brite als Ziel.

„Major Alan Douglas Seddon war ohne Zweifel ein Glücksfall für Winsen“, stellte Herbert Rode abschließend fest. „Ich glaube nicht, dass es in Westdeutschland noch so einen Besatzungsoffizier gab, wie Seddon es war. Er hat immer aus dem Herzen heraus geholfen.“