Wenn Demenzkranke weglaufen …

Volksbank übergibt Ortungssystem an DRK

18.05.2015 - Munster

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, schildert die Flucht und turbulente Abenteuerreise eines alten Mannes. Keinesfalls unterhaltsam ist es jedoch, wenn Demenzkranke aus Pflegeeinrichtungen verschwinden: Sie werden unruhig, achten weder auf Wetter noch Uhrzeit, brechen zum Beispiel mitten in der Nacht kaum angezogen auf. Dabei sind sie nicht in der Lage, ihr Handeln zu überblicken oder den Rückweg anzutreten.

Einer derartigen Situation stehen die Mitarbeiter der Einrichtung oft hilflos gegenüber. Das soll sich jetzt im Alten- und Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes in Munster ändern. Mit Hilfe der Volksbank Lüneburger Heide eG wurden zwei Uhren angeschafft, die jeweils mit einem GPS-Ortungssystem verbunden sind und mittels eines Empfängers den Aufenthaltsort des Trägers anzeigen.

So haben die Bewohner noch immer die Freiheit, jederzeit die Einrichtung zu verlassen. Doch ist es den Pflegekräften jetzt möglich, verwirrte oder orientierungslose schnell zu finden – zu deren eigenem Schutz, aber auch zur Beruhigung der Angehörigen und der Pflegemitarbeiter.

Lars-Oliver Tegt, Leiter der Volksbankfiliale in Munster, übergab Uhren und Empfänger im Gesamtwert von 1.700 Euro an den Vorsitzenden des DRK Ortsvereines, Jan Niemann.

Das Geld für die Spende stammt aus den Reinerträgen des VR-Gewinnsparens, bei dem Volksbank-Kunden Geld- und Sachpreise gewinnen können. Jan Niemann bedankte sich im Namen des DRK und stellte das Gerät dem Heimleiter Marc Friedrich zur Verfügung. „Jetzt können wir mit der Problematik der sogenannten „Hinlauftendenz“ etwas entspannter umgehen“, so Friedrich. Allerdings solle das Gerät nur als letztes Mittel eingesetzt werden: „Entsprechend unserem Betreuungskonzept wollen wir erreichen, dass sich die Demenzerkrankten von sich aus an ihren Aufenthaltsort gebunden fühlen. Das klappt vor allem durch Beschäftigung.“

Freude bei der Übergabe der Ortungssysteme: (v. l.) Jan Niemann vom DRK Ortsverein, Heimleiter Marc Friedrich, Volksbank-Filialleiter Lars-Oliver Tegt

Info

Die Hinlauftendenz wurde früher als Weglauftendenz bezeichnet – weil Demenzkranke weglaufen. Mittlerweile weiß man, dass die Patienten nicht einfach nur “ausbüxen” wollen, sondern sich mit einem Ziel auf den Weg machen. Wohin, das ist nicht immer nachvollziehbar. Aber der Demenzkranke folgt einem inneren Drang: Er meint, an einem bestimmten Ort etwas erledigen zu müssen. Beispielsweise kann es sein, dass er glaubt, noch zu arbeiten, und sich auf den Weg ins Büro macht. Oder er denkt, er müsse seine Kinder von der Schule abholen.