Als Brahms an die Luhe kam...

04.08.2015 - Winsen

Weil er als Jugendlicher eher schmächtig und kränklich war, hat der Hamburger Komponist Johannes Brahms (1833 - 1897) drei Sommerferien in Winsen verbracht. Sein Vater hatte im Alster-Pavillon - ja, den gab es auch 1848 schon - den Winsener Papierfabrikanten Adolf Heinrich Giesemann kennengelernt. Der lud den damals 15-jährigen Johannes zu sich nach Winsen ein. Brahms schloss nicht nur Freundschaft mit Giesemanns Tochter Elise, er lernte durch sie auch die Natur und die Literatur schätzen, denn sie verbrachten die Nachmittage an der Luhe oder lasen gemeinsam in der Bibliothek des Superintendenten Karl Heinrich Wilhelm Krause.

(V.l.) Wolf-Dieter Böhme und Martin Teske, beide Brahms-Freundeskreis, und Regionaldirektor Uwe Peters von der Volksbank Lüneburger Heide eG laden zur Winsener Brahmswoche vom 21. Bis 29. August ein.

Der Brahms-Freundeskreis Winsen erinnert alle zwei Jahre mit einer Konzertwoche an die Verbindung des Komponisten zu der Stadt. Vom 21. bis zum 29. August gibt es jeden Abend eine Konzertveranstaltung sowie im Verlauf der Woche einige Vorträge und Stadtführungen. Während der Brahms-Woche werden die Schaufenster vieler Geschäfte in Winsen mit Musikalien geschmückt. Die Konzerte gestalten sowohl Profis als auch lokale Laien.

Der Vorsitzende und der Geschäftsführer des Brahms-Freundeskreises, Martin Teske und Wolf-Dieter Böhme, haben jetzt die Programmdetails vorgestellt. Teske, Journalist und Brahms-Fan, lässt zur Vorbereitung auf die Brahms-Woche sogar den Bart ordentlich sprießen und wird sich bei den Vorträgen, die er halten wird, sowie der Moderation auch zeitgemäß kleiden. Zum Organisationsteam zählt außerdem Kreiskantor Reinhard Gräler, der an mehreren Konzerten mitwirkt.

Das Programm

Freitag, 21. August

Eröffnung mit der Chorgemeinschaft Winsener Männerchöre,
Gasthaus "Zum nassen End", 19 Uhr.
Auf dem Programm stehen zwei Lieder, die Brahms in Winsen komponiert hat: "Postillons Morgenlied" und "Goldene Brücken". Der Eintritt ist frei.

Sonnabend, 22. August 
"Winsen klingt",
verschiedene Gruppen und Solisten treten in der Innenstadt auf, 11 bis 13 Uhr.

Stadtführung auf den Spuren von Brahms mit Martin Teske, Start ist am Marstall, 16 Uhr.

"Vorsicht, Spinnegesang!":
Die "Spinnesänger" aus dem Harz, ein fünfköpfiges Vokalensemble, zeigen die  kabarettistische Seite der Lieder von Brahms. 20 Uhr, Gemeindezentrum St. Marien, 18 Euro.

Sonntag, 23. August 
Sechs Bratschen als Solisten? Das gilt in Musikerkreisen als außergewöhnlich, wenn nicht gar undenkbar. Doch die sechs Streicher aus dem Noord Nederlands Orkest (Groningen) scheren sich nicht darum. Extra für sie lassen die Brahms-Freunde sogar jedes Mal einen der Ungarischen Tänze arrangieren. Das macht ihnen so viel Spaß, dass sie bereits zum dritten Mal nach Winsen kommen.
20 Uhr, Katholische Kirche "Guter Hirt", 18 Euro.

Außerdem: Gottesdienst mit Orgelwerken von Brahms, gespielt von Reinhard Gräler, 10 Uhr, St.-Marien-Kirche

Montag, 24. August 
Eröffnung der Brahms-Ausstellung im Marstall, 11 Uhr.

"Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn": Liederabend mit Hanna Zumsane (Sopran) und Katharina Hinz (Klavier). Auf dem Programm stehen nicht nur Lieder von Brahms, sondern auch von seinem Schüler Alexander Zemlinksy und dessen Schüler Arnold Schönberg. Inhaltlich erinnern die Lieder an Dichter jener Zeit, die "ohne Brahms wohl in Vergessenheit geraden wären", erklärt Martin Teske.
20 Uhr, Marstall, 18 Euro.

Dienstag, 25. August 
Vortrag "Brahms und andere Große aus Winsen", 11 Uhr, Marstall.

Liederabend mit den drei Tenören Dantes Diwiak, Aram Mikaelyan und Keunhyung Lee, begleitet von Reinhard Gräler (Klavier). 20 Uhr, Marstall, 18 Euro.

Mittwoch, 26. August 
Vortrag "Brahms und die Liebe", Martin Teske geht der Frage nach, warum Brahms Junggeselle war und welche Frauen ihn begleiteten. 11 Uhr, Marstall.

Filmnacht mit "Lieben Sie Brahms" und "Geliebte Clara", 20 Uhr, Marstall, 12 Euro (inklusive Getränk)

Donnerstag, 27. August 
Vortrag "Ein Thaler und duhn" - über Brahms' Jugendstreiche, 11 Uhr, Marstall.

Abends erinnert der Flötenkreis Pattensen an "Prater-Klänge": Das Ensemble spiegelt wider, wie sich im Wiener Vergnügungspark die Klänge der dort spielenden Musiker vermischten - hier die traditionellen klassischen Werke von Renaissance, Barock und Rokoko – dort volkstümliche Weisen aus Osteuropa. 20 Uhr, Marstall, 15 Euro.

Freitag, 28. August 
Vortrag über Brahms' Zeitgenossen Franz Evers, Marstall, 11 Uhr.

Die Singgemeinschaft Elbdeich präsentiert Brahms' schönste Chorwerke, 20 Uhr, Marstall, 18 Euro.

Sonnabend, 29. August 
Stadtführung, 11 Uhr, Marstall.

Abschlusskonzert mit der Norddeutschen Philharmonie unter der Leitung von Reinhard Gräler, auf dem Programm die Sinfonie Nr. 2 von Brahms.
19 Uhr, Marienkirche, Karten 20 bis 30 Euro.

Vorpremiere Sonntag, 9. August
St.-Severini-Kirche in Kirchwerder unter dem Motto "Brahms träumt von Amerika" mit den "Vieltönern" aus Stelle und Pastor Ulrich Billet an der Orgel. Gespielt werden Orgelwerke von Brahms sowie Swing, Jazz, Spirituals und anderes, Eintritt frei, Beginn 17 Uhr.

Der Eintritt zu den Vorträgen und den Führungen ist frei, Spenden sind willkommen. Die Brahmswoche wird vom Hauptsponsor Volksbank Lüneburger Heide eG und weiteren lokalen Unternehmen gefördert. "Wir haben mittlerweile einen Etat von 35.000 Euro", sagt Wolf-Dieter Böhme. Er hofft, dass die Marienkirche bebt vor Applaus, wenn die Brahmswoche ihren Abschluss findet.

Die "Spinnesänger" aus dem Harz mischen klassisches Liedgut mit kabarettistischen Einlagen.

Kartenvorverkauf

Tourist-Info in Winsen am Schlossplatz 11
Tel. 04171 - 668075
touristinfo@stadt-winsen.de

sowie Edeka Kröger, Schanzenring (Info-Tresen)

Quelle: Hamburger Abendblatt, Harburg & Umland, 29.07.2015 - Autor: Corinna Panek