Wirtschaftstag 2013

Winsen, 22.10.2013

Theo Waigel beim Wirtschaftstag der Volksbank: Nur mit dem Euro hat Europa eine Chance“

"Der Euro hat seine wichtigste Bewährungsprobe bestanden und sich als starke Währung erwiesen, allen Unkenrufen zum Trotz“, stellte Theo Waigel auf dem 33. Wirtschaftstag der Volksbank Lüneburger Heide eG in Winsen fest. „Die Krise ist zwar noch nicht zu Ende, aber wir sind auf einem guten Weg“.

Foto: Mit 650 Gästen, überwiegend Mittelständlern aus den Landkreisen Harburg-Lüneburg-Heidekreis, war die Winsener Stadthalle ausgebucht.

Mit Blick auf die Zukunft bekräftigte Waigel bei seinem Vortrag: „Europa hat zwischen den beiden Weltwährungen US-Dollar und Chinesischer Renminbi nur dann eine Chance, wenn es sich auf eine einheitliche Währung konzentriert“. In seinem anderthalb-stündigen Vortrag zeichnete der ehemalige Bundesfinanzminister den Weg zum Euro nach und umriss seine Vision von Europa.

Mit 650 Gästen, überwiegend Mittelständlern aus den Landkreisen Harburg-Lüneburg-Heidekreis, war die Winsener Stadthalle ausgebucht. Für seine prägnanten Worte, gewürzt mit Zitaten und Ausflügen in die Geschichte, erhielt der „Vater des Euro“ lang anhaltenden Beifall.

Vor seinem Vortrag stand Herr Dr. Waigel noch den Pressevertretern für Fragen zur Verfügung.

Foto: Vorstandsmitglied der Volksbank Lüneburger Heide eG Cord Hasselmann begrüßt den ehemaligen Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel auf dem 33. Wirtschaftstag in Winsen.

Begrüßung von Vorstandsmitglied Cord Hasselmann

In seiner Begrüßung erinnerte Volksbank-Vorstand Cord Hasselmann an die Jahre 1989 bis 1998, in denen Theo Waigel als Finanzminister politische Verantwortung trug und die Wiedervereinigung und die Einführung des Euro als Höhepunkte seiner politischen Karriere erlebte. „Deutschlands und Europas Zukunft“ lautete das Thema.

Waigel wurde sogleich konkret und gemahnte an die Währungsschwankungen der 1970er bis 1990er Jahre, die den deutschen Exporteuren und speziell den Landwirten große Probleme machten. „Die Aufwertung der Deutschen Mark brachte den Bauern dreistellige Millionenverluste ein, welche die Bundesregierung jedes Mal durch immense Ausgleichszahlungen auffangen musste.

Foto: Theo Waigel und Vorstandsmitglied Cord Hasselmann beim Pressegespräch
Foto: Theo Waigel und Vorstandsmitglied Cord Hasselmann beim Pressegespräch

Aktuelle Einschätzung von Theo Waigel zur europäischen Währung

Im Blick auf die heutige Situation machte Waigel deutlich, dass die Krise der letzten fünf Jahre keine Krise der europäischen Währung gewesen sei, sondern „die Folge einer Immobilienblase, die, unterlegt mit falschen Papieren, von den USA nach Europa hinüber geschwappt war“.

Banken, die deshalb in Schieflage gerieten, seien von den Staaten gerettet worden, um die Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Die Entscheidung, die Lehman-Bank pleite gehen zu lassen, würden die USA heute sicher nicht mehr so treffen. Aber: Wer half den europäischen Staaten bei der Bankenrettung? In dieser Situation hat sich das Eurosystem weitestgehend bewährt: durch den Fiskalpakt, durch einen stärkeren Stabilitäts- und Wachstumskurs, durch die Schuldenbremse und durch Einrichtung des Stabilitätsmechanismus.

Jeder Staat muss sich um seine eigene Staatsverschuldung kümmern und sie zurückfahren.“ Dabei sei es vertretbar gewesen, Ländern wie Portugal, Spanien, Irland und Italien zu helfen – auch Griechenland, das eigentlich gar nicht in die Eurozone hätte aufgenommen werden dürfen. Erste Erfolge seien jetzt sichtbar: Die Risikoprämien (= Zinsen) für die Staatsanleihen der betreffenden Länder, außer Griechenland, seien bereits gesunken. Irland hat angekündigt, seine Schulden in absehbarer Frist zurückzuführen. „Die gute Kursentwicklung des Euro zeigt das wachsende Vertrauen in den Euroraum“, sagte Waigel.

 „Als wir vor zwölf Jahren den Euro eingeführt haben, stand sein Wert in Dollar bei 1,18. Heute steht er bei 1,38 Dollar – 20 Cent über dem Eingangskurs. Nicht von ungefähr sind knapp ein Drittel der weltweiten Währungsreserven in Euro angelegt.“ so Waigel.

Foto: „Jeder Staat muss sich um seine eigene Staatsverschuldung kümmern und sie zurückfahren.“ so Theo Waigel

Waigel sieht keine Rückkehr für die DM

Umso wichtiger sei die Rückkehr Deutschlands zu den ursprünglich beschlossenen Stabilitätskriterien, die Deutschland und Frankreich 2003 bis 2005 verletzt hatten - Defizitquote unter 3 % und Schuldenstandsquote unter 60 % des Bruttoinlandsprodukts.

Einer Aufspaltung der Eurozone in nördliche Länder mit einem starken und südliche mit einem weichen Euro oder gar eine Rückkehr zu nationalen Währungen erteilte Waigel eine klare Absage: Dann würden alte Rivalitäten sofort wieder aufbrechen. Die Rückkehr zur DM wäre für den deutschen Export eine Katastrophe. „Wer nicht sieht, welche Rolle Deutschland zurzeit als wirtschaftsstärkste Nation in Europa spielt, mit der größten Verantwortung anderen Ländern gegenüber, wer das nicht begreift, dem spreche ich die Befähigung ab, verantwortungsvoll Politik für Deutschland zu machen.“ Deshalb sei er auch froh, dass bei den Regierungsparteien und bei der Opposition bei den Entscheidungen zum europäischen Währungs- und Finanzsystem weitgehende Übereinstimmung geherrscht habe.

Foto: Theo Waigel: "Ich was 30 Jahre im Bundestag."

Waigel über Waigel

Ich war 30 Jahre im Bundestag, davon 16 Jahre in der Regierung und 14 Jahre in der Opposition – ich habe also beide Seiten kennengelernt und weiß, wie man sich in Koalitionsverhandlungen zusammenraufen muss.

In meiner Zeit als Finanzminister habe ich mit der Wiedervereinigung und mit der Einführung des Euro große Geschichte miterlebt und mitgestaltet. Ja, der Name „Euro“ geht auf mich zurück, mein Vorschlag wurde auf dem Gipfel in Madrid 1995 angenommen. Darunter konnte sich jeder etwas vorstellen. „Ecu“ – sprich Ekü – wäre den Deutschen kaum richtig über die Lippen gegangen.

Die Menschen erwarten von einem Politiker Glaubwürdigkeit und Vertrauen, nicht Schauspielerei. Rhetorik und Selbstdarstellung schaden allerdings nicht.

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