Jubiläum in Hanstedt

Genossenschaftliches Archiv ist seit 15 Jahren Stiftung

14.11.2016 - Hanstedt

Vorstand würdigt Gründer Dr. Rolf Lüer

Das Genossenschaftliche Archiv in Hanstedt begeht in diesen Tagen ein kleines Jubiläum. Vor 15 Jahren wurde die Sammlung in die Rechtsform einer Stiftung überführt. Am 19. November 2001 traten die Vorstände von sechs regionalen Volksbanken, die das GenoArchiv bisher getragen hatten, am damaligen Sitz des Archivs in Egestorf zusammen und beschlossen, die „Stiftung Genossenschaftliches Archiv“ zu errichten. Mit einem Stiftungskapital von 100.000 Euro legten die Volksbanken Hollenstedt, Lüneburg, Lüneburger Heide, Nordheide, Winsener Marsch und Wulfsen zugleich den finanziellen Grundstock. Am 16. Januar 2002 wurde das Stiftungsgeschäft und die Satzung von der Bezirksregierung Lüneburg genehmigt.

Dr. Rolf Lüer 2002 im GenoArchiv in Egestorf.
Dr. Rolf Lüer 2002 im GenoArchiv in Egestorf.

Die Gründung des Archivs geht zurück auf Rolf Lüer (1929-2013). Der vormalige Chef der Volksbank Nordheide hatte nach seinem Ausscheiden Unterlagen und Dokumente der Vorläufer seiner Bank zusammengetragen und 1990 das „Archiv der Volksbank Nordheide“ ins Leben gerufen. In den folgenden Jahren gewann er auch die benachbarten Volksbanken für den Archivgedanken. 1997 gründeten sie das „Genossenschaftliche Archiv“, das nun die Unterlagen aller beteiligten Banken und weiterer Genossenschaften aufnahm. Im selben Jahr wurde Rolf Lüer mit seiner Arbeit zur Geschichte des genossenschaftlichen Bankwesens im ehemaligen Kreise Winsen an der Universität Hamburg zum Dr. phil. promoviert. „2001 ergriff Dr. Lüer erneut die Initiative und setzte sich bei den Trägerbanken für die Gründung der ‚Stiftung Genossenschaftliches Archiv‘ ein“, berichtet Dr. Martin Kleinfeld, der heute als Vorstand die Stiftung leitet. „Damit bekam das Archiv eine eigene Rechtspersönlichkeit, es wurde der Stiftungsaufsicht unterstellt und konnte nicht mehr durch einen Federstrich möglichen Rationalisierungsmaßnahmen zum Opfer fallen“, so die Motive Dr. Lüers.

Kooperation mit dem Freilichtmuseum am Kiekeberg

Dr.Martin Kleinfeld
Dr.Martin Kleinfeld

Dr. Martin Kleinfeld (Foto l.) ist Kreisarchivar und Archivar des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Er wurde durch einen Kooperationsvertrag mit dem Museum auch als Archivar für das Genossenschaftliche Archiv bestellt und übernahm am 1. April 2003 das Amt des Vorstandsvorsitzenden von Dr. Rolf Lüer. Im selben Jahr zog das Archiv an den heutigen Standort Hanstedt in das neu erbaute Volksbankgebäude um.

Im Archiv finden sich Protokollbücher, Jahresberichte, Mitgliederverzeichnisse, Bilanzunterlagen, Sparbücher, Zeitungsberichte, Werbematerial, Chroniken und Fotos von Genossenschaften. Die Sammlung ist in ihrer Art in Deutschland einmalig. Sie dokumentiert über hundertfünfzig Jahre Genossenschaftsgeschichte, die zugleich ein Spiegelbild der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Region ist. Das Archiv deckt nicht nur den Landkreis Harburg ab, sondern auch die Kreise Lüneburg und Heidekreis sowie angrenzende Gebiete. Verfügte es im Jahre der Stiftungsgründung zunächst über Unterlagen von gut 60 Genossenschaften, so sind es heute mehr als 500 Genossenschaften, die hier dokumentiert werden.

Besondere Beachtung hatte das Archiv zuletzt mit der Sonderausstellung „Einer für alle, alle für einen. Genossenschaften auf dem Land“ gefunden, die vom 23. Januar bis zum 17. Juli 2016 im Freilichtmuseum am Kiekeberg zu sehen war. Im Fokus stand die wirtschaftliche Situation der Landwirte Ende des 19. Jahrhunderts und die Vielfalt der Unternehmen, in denen das damals neue Geschäftsmodell der Genossenschaft zum Einsatz kam. Kuratorin der Ausstellung war die Historikerin Dr. Kai Rump, die seit 2005 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für das GenoArchiv tätig ist.