Vor 125 Jahren gegründet

Volksbank in Hanstedt feiert Jubiläum

19.08.2016

Die Volksbank in Hanstedt blickt in diesem Jahr auf ihr 125-jähriges Bestehen zurück. Dazu gibt es eine Ausstellung, die in den Räumen des Genossenschaftlichen Archivs im Stockwerk über der Filiale zu sehen ist. Zeittafeln, Emailleschilder, Fotos, alte Geldscheine und Dokumente machen die Vergangenheit lebendig. Die wichtigsten Daten enthält eine Chronik, die kostenlos erhältlich ist.

Die Ausstellung wurde von der Historikerin Dr. Kai Rump erstellt. Die Öffnungszeiten: Dienstag, 23. August, 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, Donnerstag, 18. und 25. August, 10 bis 12 Uhr.

Zur Eröffnung hatte die Volksbank langjährige Mitglieder eingeladen, die ihrer Bank schon bis zu 65 Jahren die Treue halten: Magdalene Witte, Otto Lübberstedt, Helmut Ehrhorn (s. Foto links), Wilhelm Ludwig, und Gerhard Gevers wurden mit einer Urkunde ausgezeichnet und durften sich über ein Schreibgerät mit Gravur ihres Namens freuen. Marianne Brockmann nahm die Ehrung für ihren Mann Georg Brockmann entgegen.  

Foto: 1958 wird der Neubau des ersten eigenen Bankgebäudes fertiggestellt. Es befindet sich direkt neben dem heutigen Standort.

Foto: Blick in den Schalterraum des Gebäudes von 1958.

Foto: Die Mitarbeiter prägen das Gesicht der Volksbank in Hanstedt (v. l.): Jens Ohlhorst, Janina Metterhausen, Martina Helpap, Margrit Emmrich, Gerlinde Wippich, Rike Mill, Swen Bargmann, Anika Brockmann, Tanja Wohlgemuth, Uta Peters und Melanie Ronschke.

Zum Jubiläum gibt es ein Gewinnspiel, bei dem Restaurantgutscheine im Gesamtwert von 500 Euro zu gewinnen sind. Anstelle eines Tags der offenen Tür spendet die Volksbank jeweils 2.500 Euro an die Hanstedter Bürgerstiftung und, zweckgebunden für die Schwimmausbildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, an die Samtgemeinde Hanstedt.

„Am 29. Mai 1891 versammelten sich 40 tatkräftige Männer unseres Kirchspiels unter der Leitung des Wanderlehrers Fricke
von der damaligen königlichen Landwirtschaftsgesellschaft, um eine Spar- und Darlehnskasse zu gründen“, heißt es in einer Chronik. Die Mitglieder der Genossenschaft konnten fortan ihre Spargelder einfach und sicher anlegen. Das so zusammengekommene Geld sollte als Kredit für die heimische Wirtschaft nutzbar gemacht werden. Mitbegründer der Kasse war Bürgermeister Georg Albers. Er war Inhaber der kaiserlichen Postagentur, stolzer Besitzer des ersten Hanstedter Telefons und wurde erster Rendant der Kasse. Der größte Teil der Geschäfte fiel am Sonntagmorgen an. Daher verließ Albers den Gottesdienst oftmals früher und sagte zu Hause: „Jungens, holt Stühle, es sind viele Leute heute in der Kirche.“ Die Bankkunden saßen  alle im Flur oder in der Küche und wurden einzeln in der Stube vom Rendanten bedient.

Bis 1913 befand sich die Kasse im Hause Albers. Auch die Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen fanden im Hause Albers statt. Am Ende des ersten Geschäftsjahres, im Dezember 1891, beliefen sich die „ausgeliehenen Kapitalien“ bereits auf 4.142 Reichsmark und 42 Pfennige, als Vermögen wurden 419 Mark ausgewiesen. Einlagen und Geschäftsanteile ergaben 9.451 Mark. Die Kasse zählte 63 Mitglieder. 1913 wurde Gründungsmitglied Heinrich Lüllau Rendant. Er führte das Bankgeschäft in seinem eigenen Haus in der Schloßstraße weiter. 1922 folgte ihm seine Tochter Emilie Lüllau, sie war bis 1955 Rendantin, erlebte die Inflation 1923, das NSRegime, den Zweiten Weltkrieg und die folgende Geldentwertung. Viele Hanstedter kannten „Tante Mile“, eine engagierte Person, die sich auch nicht scheute, Kunden zur Zurückhaltung zu mahnen, wenn diese in ihren Augen nachlässig mit Geld umgingen. Dank Marshallplanhilfe und sozialer Marktwirtschaft kam der Betrieb ab 1948 wieder in Gang, das „Wirtschaftswunder“ setzte ein.

Gerhard Becker, Bankleiter von 1956 bis 1986, baute das Geschäft weiter aus. 1969 schlossen sich die Spar- und Darlehnskassen Hanstedt und Egestorf zur Volksbank Nordheide eG  zusammen, ein Name. der auf Gerhard Becker zurückging. Es begann eine beispiellose Fusionsentwicklung: Hanstedt wurde die Zentrale des Geschäftsbezirkes der Volksbank Nordheide eG. Der dreiköpfige Vorstand, Hermann Allerding, Rolf Lüer und Gerhard Becker, prägte von 1970 bis 1986 das Gesicht der Volksbank.

1987 fusionierte die Bank mit der Volksbank Salzhausen und der Genobank Winsen. 2003 bezieht die Filiale das neue Geschäftshaus, gleich neben dem Bankgebäude von 1958. Der Name Volksbank Nordheide überdauerte weitere Fusionen, wandelte sich erst, als es 2011 zum Zusammenschluss mit der Volksbank Lüneburger Heide kam. Mit einer Bilanzsumme von rund 2,8 Milliarden Euro ist sie heute die zweitgrößte Volksbank in Niedersachsen. Im Jubiläumsjahr 2016 betreuen sieben Mitarbeiter der Filiale Hanstedt insgesamt 3.361 Kunden. Davon sind 1.508 Mitglied ihrer Bank.